Projektbeschreibung

Sinkende Preise und attraktive Förderungen, in Verbindung mit dem wachsenden Wunsch privater Haushalte und Gewerbebetriebe nach Energieautonomie (Hampl et al, 2015), treiben eine Entwicklung an, die dezentrale Erzeugungs- und Speichertechnologien sowohl in Österreich als auch in Deutschland zunehmend zu einer Massenanwendung werden lässt. Speziell der Bereich der dezentralen Heimspeichersysteme in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen entwickelt sich rasant. Parallel dazu rücken jedoch auch Gemeinschaftsspeicher mehr und mehr in den Fokus von Forschung und Wirtschaft (Hoffmann et al., 2018; Konrad, 2017; Weniger et al., 2015), vor allem in Anbetracht der von der EU-Kommission unter dem Titel „Clean Energy for All Europeans“ vorgestellten Gesetzesentwürfe (European Commission 2016).

Im K&E Leitprojekt „awarenESS“ wurde daher die Machbarkeit eines Gemeinschaftsspeichers für ländliche Gemeinden am konkreten Beispiel Großschönau untersucht. Aufbauend auf den Projektergebnissen des geförderten Projekts „Eigenlastcluster“ sowie weiterer Forschungsprojekte wurden energietechnische, wirtschaftliche, rechtlich/regulatorische, organisatorische sowie gesellschaftliche Herausforderungen identifiziert und Lösungsvorschläge dafür erarbeitet.

Ein wesentlicher Aspekt war dabei die Entwicklung geeigneter Bewirtschaftungs-, Kooperations- und Verrechnungsmodelle, die allen Beteiligten eine faire, gleichberechtigte und ihren individuellen Möglichkeiten und Nutzungspräferenzen entsprechende Mitwirkung ermöglichen und dabei deren individuelle Anforderungen und Interessen berücksichtigen. Dies ist insofern relevant, da Studien (MVV et al., 2016; Konrad et al., 2017) zeigen, dass es seitens der NutzerInnen trotz einer grundsätzlich positiven Erwartungshaltung auch Vorbehalte gegenüber Gemeinschaftsspeichern gibt, speziell hinsichtlich Rentabilität, Nutzung und Abrechnung (z. B. Sorge vor TrittbrettfahrerInnen, unfaire Ver- bzw. Aufteilung, …). Entsprechende Geschäftsmodelle sollten daher eine klar geregelte und transparente Abrechnung und Verteilung von Kosten und Nutzen ermöglichen.

Um darüber hinaus Akzeptanz, Umsetzungswahrscheinlichkeit und Multiplizierbarkeit der entwickelten Vorschläge zu erhöhen, wurden diese Modelle gemeinsam mit den zukünftigen NutzerInnen entwickelt, denn speziell durch die Möglichkeit zur Beteiligung können die Akzeptanz der Betroffenen sowie deren Vertrauen in das Projekt, die UmsetzerInnen, aber auch die Technologie selbst gesteigert werden (Carmen, 2013).

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Dem Motto „Die Energiewende beginnt im Kopf“ folgend wurde darüber hinaus großer Wert auf die Sichtbarkeit der entwickelten Lösungen gelegt. Dabei wurde das Ziel verfolgt das Thema „Energie“ im gesellschaftlichen Kontext sichtbar zu machen und zusätzlichen Mehrwert, z. B. über nicht finanziell orientierte Angebote und Services, direkt für die BewohnerInnen bzw. indirekt für die Gesellschaft zu schaffen. Gemeinsam mit einem Team der New Design University St. Pölten wurde daher das Konzept „Recharge“ entwickelt, bei dem der Speicher zum zentralen Energie- und Informationshotspot der Gemeinde wird.

Projektdaten

Projektlaufzeit: März 2018 bis Mai 2019
Projektdauer: 15 Monate
Projektteam: ATB Becker, Sonnenplatz Großschönau, Fachhochschule Technikum Wien
Projektbudget: 85.000 EUR
Projektförderung: 50.000 EUR
Förderprogramm: Klima- und Energie-Modellregionen – Ausschreibung 2017

Das Projekt „awarenESS – Gemeinschaftsspeicher (EnergyStorageSystems) als sichtbare Schlüsselelemente der Energiewende“ wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds im Zuge der Ausschreibung „Klima- und Energie-Modellregionen – Ausschreibung 2017“ gefördert.

Literatur

C.A.R.M.E.N. e.V. (2013) Akzeptanz für Erneuerbare Energien – Ein Leitfaden. Centrales Agrar- Rohstoff- Marketing- Energie-Netzwerk, Straubing.

European Commission, 2016, Clean Energy for All Europeans. verfügbar unter https://ec.europa.eu/energy/en/topics/energy-strategy-and-energy-union/clean-energy-all-europeans

Gährs, S., Bost,M., Mehler, K., Hirschl, B. (2015): Akzeptanz und Investitionsbereitschaft in Bezug auf den netzdienlichen Betrieb von PV-Speichern. Ergebnisbericht zu AP 7.2 des Projekts PV-Nutzen, FKZ 0325534B. Berlin: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

Hoffmann, E., et al., (2018) Akzeptanz von Speicherdienstleistungen und weiteren Energiedienstleistungen: Stand der Forschung aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. Projekt ESQUIRE, Arbeitspapier. Berlin, Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

Hampl, N., et al., (2015) Erneuerbare Energien in Österreich 2015 Einstellungen, Assoziationen und Investitionsintention österreichischer Haushalte betreffend erneuerbare Energie-technologien. Wirtschaftsuniversität Wien.

Konrad, G. (2017) Dezentrale klein- oder zentrale Groß-Akkumulatorenspeichersysteme als Stromspeicher für Stadtwerke? FH Forschungsforum, Krems, verfügbar unter http://ffhoarep.fh-ooe.at/bitstream/123456789/987/1/Panel_116_ID_131.pdf

Konrad, W., Hoffmann, E., Pissarskoi, E., Scheer, D., Trefzer, A. (2017) Das Smart Grid im Privathaushalt. Zur Digitalisierung des Energiesystems aus Verbrauchersicht. InnoSmart-Arbeitsbericht 06. Stuttgart/Berlin: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW); DIALOGIK gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH; Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT.

MVV, Universität Stuttgart, Netrion und ADS-TEC (2016): Strombank – Innovatives Betreiber-modell für Quartierspeicher. Abschlussbericht. Abschlussbericht. Mannheim/Stutt-gart/Nürtingen: MVV Energie; Universität Stuttgart; Netrion; ADS-TEC.

Weniger, J., Bergner, J., Tjaden, T., Quaschning. V (2015) Dezentrale Solarstromspeicher für die . Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, BWV; https://www.volker-quaschning.de/publis/studien/solarstromspeicher/HTW-Berlin-Solarspeicherstudie.pdf; 1.10.2017